Die Zahl der H1N1-Infizierten in der Hauptstadt steigt erneut. Doch Experten geben vorerst Entwarnung. Die Schweinegrippe wird von der Pandemie zur saisonalen Grippe.
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In Berlin mehren sich die Verdachtsfälle auf Schweinegrippe. Die Feuerwehr brachte am Mittwoch eine Frau mit typischen Symptomen ins Sankt-Gertrauden-Krankenhaus, und an einer Schule in Mitte bestätigte sich ein Verdachtsfall. „Der Arzt hat dem Kind Schweinegrippe bestätigt“, sagte ein Sprecher der Cosmopolitan School. Auch das Zehlendorfer Dreilinden Gymnasium informierte die Eltern über die Erkrankung eines Schülers. Das Kind wurde vorsorglich vom Unterricht ausgeschlossen. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt verteilen Schulleiter derzeit vermehrt Informationsblätter an Kinder und Jugendliche, denn laut Robert-Koch-Institut (RKI) zählen sie zur Risikogruppe der H1N1-Influenza. Die Schreiben warnen vor der hohen Ansteckungsgefahr und klären über typische Krankheitszeichen wie Fieber, Husten, Schnupfen, Kopf- oder Gliederschmerzen auf.
Im Pandemiejahr 2009 wurden in Berlin 8344 Erkrankungen an Schweinegrippe gemeldet, sieben Personen sind daran verstorben. 2010 erkrankten deutlich weniger Menschen. Insgesamt wurden 188 Erkrankungsfälle gemeldet, die meisten davon im Frühjahr, und es verstarben sechs Personen an Schweinegrippe.
Für die diesjährige Saison gab das RKI vorerst Entwarnung, obwohl nicht vorhersagbar sei, wie sich der Krankheitsverlauf entwickle. „Die Schweinegrippe ist aktuell dabei, sich in die saisonale Grippewelle einzuordnen“, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher. „Sie hat derzeit keinen pandemischen Charakter.“
39 Infektionen in einer Woche
Auch wenn die Zahl der Grippefälle insgesamt in Deutschland deutlich ansteige, sei daran nichts unüblich, sagte Glasmacher. „Weder die Häufigkeit noch der Zeitraum.“ Seit Oktober 2010 wurden dem RKI sieben Tote in Zusammenhang mit einer Schweinegrippe-Infektion gemeldet. In der ersten Januarwoche gab es zudem 39 Infektionen mit dem H1N1-Virus – der höchste Wert seit Oktober. Die einzige Besonderheit der beginnenden Grippewelle sei, dass wie bei der zurückliegenden Pandemie verstärkt schwere Verläufe und Todesfälle bei Kindern und jungen Menschen zu verzeichnen seien.
Die Meldung aus Köln, dass dort ein sechsjähriges Mädchen starb, das mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert war, bereitet vielen Eltern große Sorgen. Wie eine Sprecherin der Kliniken der Stadt Köln bestätigte, war das Mädchen im Kinderkrankenhaus behandelt worden. Der Verlauf der Krankheit sei so schwer gewesen, dass das Kind am Tag nach der Aufnahme am Wochenende starb. Im Rahmen der Diagnostik sei ein H1N1-Test positiv ausgefallen. Ob die Schweinegrippe die Todesursache war, müsse die Obduktion zeigen. Grund zur Panik gibt es laut RKI trotzdem nicht. Nach wie vor verläuft eine Erkrankung in den meisten Fällen ohne große Probleme.
Bisher wurden dem RKI seit Oktober 593 Grippefälle bundesweit gemeldet, darunter 260 Patienten mit dem H1N1-Virus. Dabei handelt es sich aber nur um die gemeldeten Fälle, denn nach derzeitigem Kenntnisstand sind in diesem Jahr etwa drei Viertel der Grippekranken mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Aus Sicht des RKI reicht aber die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aus, chronisch kranke Kinder und Jugendliche gegen Grippe impfen zu lassen. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hatte empfohlen, den gesamten Nachwuchs zu immunisieren. „Auch das schadet natürlich nicht“, sagte Glasmacher.
Der saisonale Impfstoff deckt in diesem Jahr neben dem Schweinegrippe-Virus auch zwei weitere Virustypen ab, die gleichfalls bereits in geringem Ausmaß in Deutschland zirkulieren.
„Wir befinden uns erst am Beginn der großen Grippewelle“, sagte Glasmacher. Derzeit würden dem RKI rund 160 neue Grippefälle pro Woche gemeldet. Selbst in einer normalen Saison steigt dieser Wert extrem an. „Allein bei saisonaler Grippe steigen die gemeldeten Fälle pro Woche auf Spitzenwerte von bis zu 3000 an“, sagte Glasmacher. In einer Grippesaison sterben in Deutschland im Durchschnitt 8000 bis 11000 Menschen infolge der Erkrankung, schätzen Experten.
In der Regel sind davon zum allergrößten Teil Ältere betroffen. Darin liegt der Unterschied von saisonaler Grippe im Allgemeinen und dem Schweinegrippe-Virus im Speziellen. Kinder sind Experten zufolge Hauptüberträger der Schweinegrippe – und zugleich ganz besonders gefährdet. „Das Virus ist außerordentlich aggressiv. Und das Immunsystem der Kinder kennt dieses noch neue Virus nicht, hat damit keine Erfahrung“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann. „Das kindliche Immunsystem ist nicht ausgereift, sodass das Virus besonders intensiv eingreifen kann.“
Die Impfung habe doppelten Nutzen, denn: „Kinder verbreiten Viren grundsätzlich leichter. Da läuft die Nase, da wird die Hand nicht beim Husten vor den Mund gehalten“, sagte Hartmann. Kinder seien ganz klar die Hauptüberträger der Schweinegrippe, die im letzten Jahr zu vielen schweren Erkrankungen insbesondere der Lunge geführt habe.
(Quelle: morgenpost.de)
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