Mi
22
Dez
2010
Droht uns eine neue Schweinegrippewelle?
Weder Hysterie noch Sorglosigkeit angebracht
Großbritannien meldet 14 Schweinegrippe-Tote, schnell werden Erinnerungen an die Pandemie wach, die im März 2009 ausbrach und sich im rasenden Tempo auf dem ganzen Erdball ausgebreitet hat.
Vor einem Jahr schien das Schweinegrippenvirus auch in Deutschland eine Bedrohung zu werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es bislang etwa 18.500 registrierte Todesfälle.
Nun stecken wir wieder mitten in der Grippesaison und auch in Deutschland treten die ersten Fälle von Schweinegrippe auf. Die "Arbeitsgemeinschaft Influenza" des Robert-Koch Instituts in Deutschland hat zwei Fälle von Schweinegrippe nachgewiesen. Dies sei jedoch für diese Jahreszeit nichts Unübliches.
In England dagegen scheint die Lage mit 14 Todesfällen wesentlich brisanter zu sein. Die britischen Gesundheitsbehörden sind besorgt über einen rasanten Anstieg der Grippeerkrankungen in der vergangenen Woche. Die Zahl der neu Infizierten hat sich fast verdoppelt. Von 100.000 Menschen, die zu ihrem Arzt gegangen seien, hätten 35 die Diagnose Grippe bekommen. Eine Woche zuvor seien es noch 13 gewesen. Wie viele davon die Schweinegrippe haben, wurde nicht mitgeteilt.
Für Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, ist das erneute Auftreten des A(H1N1)-Virus „nichts Neues und nichts Überraschendes. Es gibt jedes Jahr eine Grippewelle, in der Regel nach der Jahreswende“. Laut Glasmacher solle man ebenfalls die aufgetretenen Fälle in anderen Ländern nicht überbewerten und dramatisieren. Gleichzeitig betonte sie aber auch, dass weder Sorglosigkeit noch Hysterie wenig angebracht sei und rät vor allem Schwangeren und Menschen mit Grundkrankheiten, wie Diabetes und Bronchitis, sich vorsorglich impfen zu lassen.
Erbgut eines Grippevirus kann sich immer verändern
Zum aktuellen Zeitpunkt nimmt das Bundesministerium für Gesundheit an, dass viele Menschen in Deutschland und weltweit gegen die Schweinegrippe geschützt seien. Dazu gehören Personen, die bereits schon einmal an dieser Form der Grippe erkrankten oder sich gegen den Virus haben impfen lassen. Daher würde nicht mit einer vergleichbar raschen Ausbreitung der Schweinegrippe wie im Jahr 2009 gerechnet werden.
Trotzdem könne nie ausgeschlossen werden, dass sich das Erbgut eines Grippevirus so verändert, dass kein ausreichender Schutz mehr gegen diese mutierte Form besteht. Im Moment "haben sich die Grippeviren genetisch jedoch nicht besonders geändert", erklärte Glasmacher.
Gegen die saisonale Grippe stehen jedes Jahr Impfstoffe zur Verfügung, die jeweils die drei Haupterregertypen der vergangenen Grippesaison enthalten. Als jedoch der Grippevirus A(H1N1) im Jahr 2009 das erste Mal auftrat, war die Produktion des saisonalen Grippeimpfstoffes für den Herbst und Winter 2009/2010 schon so weit fortgeschritten, dass dieses neue Virus nicht mehr in den saisonalen Impfstoff mit eingeschlossen werden konnte. Also wurde ein zusätzlicher Impfstoff speziell gegen das "Schweinegrippevirus" produziert.
Der Impfstoff, der sowohl von der Weltgesundheitsorganisation als auch von der STIKO (Ständige Impfkommission) für diesen Winter empfohlen wird, enthält Bestandteile gegen die drei Haupterreger aller Grippeerkrankungen des Vorjahres - also auch eine Komponente gegen das Schweinegrippevirus. "Die Situation ist wie in jedem Jahr. Man sollte den Ball flach halten. Und die Menschen, die zu den gefährdeten Gruppen gehören, wie Schwangere, wie Menschen mit Grunderkrankungen, die sollten sich vorsorglich impfen lassen", so Glasmacher zur aktuellen Lage.
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