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Nov

2010

Birgt Schweinegrippe-Virus H1N1-A-D222G für 2011 neue Gefahren?

Die Schweinegrippe oder "Neue Grippe" breitete sich 2009 als erster Pandemievirus des 21. Jahrhunderts weltweit aus, erst vor kurzer Zeit gab die Weltgesundheitsbehörde (WHO) Pandemie-Entwarnung: "Auch wenn die meisten Krankheitsfälle mild verliefen, verursachte das Virus mitunter schwere und sogar tödliche Infektionen", berichten am 19. November 2010 die Marburger und Londoner Autoren einer aktuellen Studie über eine gefährliche Pandemie-Virusvariante. In der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Virology" stellt die Arbeitsgruppe vom Institut für Virologie der Philipps-Universität den neuen Schweinegrippe-Virus vor, die Virusvariante Influenza-H1N1-A-D222G hat ein mutiertes Hämagglutinin-Protein – damit befällt es vorwiegend Zellen mit Flimmerhärchen in Lunge und Bronchien.

Schweinegrippe-Virus infiziert Zellen mit Wimpern - Philipps-Universität Marburg - AG Matrosovich

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Das Oberflächenprotein Hämagglutinin bindet den Schweinegrippe-Virus an die Zielzellen

 

Hämagglutinin (HA: siehe Grafik) ist ein so genanntes transmenbranes Glycoprotein auf der Oberfläche der Schweinegrippe-Viren, die Antikörper des Immunsystems unseres Körpers erkennen es als Antigen. Das Hämagglutinin-Protein trägt als Glycoprotein zusätzliche Kohlenhydrate oder Zuckerreste wie Sialinsäure, damit vermittelt es bei einer Grippeinfektion das Anheften an die Rezeptoren der Zielzelle (siehe Bild, dunkelgrau). Danach verschmelzen die Virushülle des Influenza-Virus (rot gefärbt, der Balken entspricht 10 Mikrometer) und die Zellmembran der Zielzelle: Der Influenza-Virus dringt in die Wirtszelle ein, entlässt das Virusgenom und vermehrt sich durch Replikation. Verändert sich das Virusprotein Hämagglutinin durch Mutation, kann es mehr oder weniger gut an bestimmte Zielzellen binden, damit bestimmt die Struktur des Hämagglutinins mit, wie der Krankheitsverlauf einer Grippeinfektion abläuft – ob es zu einer leichten oder gravierenden Grippeerkrankung kommt.

 

Das mutierte Schweinegrippe-Virus befällt in Lungen und Bronchien Zielzellen mit Flimmerhärchen


Die Virologen untersuchten mehrere Virusvarianten des Grippeerregers, deren Hämagglutinin-Proteine an der Aminosäure-Position D222 mutiert sind: So trägt das Hämagglutinin der Pandemie-Virusvariante D222G die Aminosäure Glycin an der Aminosäure-Position D222, dagegen die Virusvariante D222E die Aminosäure Glutaminsäure. Die Schweinegrippevariante D222G stammt aus Isolaten besonders gravierender Schweinegrippeerkrankungen (A/Lviv/N6/2009 (Lvi) und A/Norway/3206-3/2009 (Nor)). Die Forscher wiesen nun an Zellkulturen aus Lungen- und Bronchienzellen nach, dass die Virusvariante D222G verstärkt Zellen befällt, die auf ihrer Oberfläche so genannte Flimmerhärchen oder Wimpern tragen und Lungen und Bronchien auskleiden – das Flimmerepithel: "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der verbesserten Bindung an diesen Rezeptor und der vermehrten Infektion bewimperter Zellen", stellt die Forschergruppe um Dr. Mikhail Matrosovich und Prof. Dr. Hans-Dieter Klenk fest.

 

Fatale Folgen für den Krankheitsverlauf der Schweinegrippe

 

Werden die bewimperten Zellen des Flimmerepithels der Atemwege von den Schweinegrippe-Viren befallen, kann sich der Krankheitsverlauf der bisher harmlosen Schweinegrippe drastische verändern. Unsere Atemwege sind nämlich mit einem speziellen Atemwegsschleim mit oberflächenaktiven Eigenschaften ausgekleidet, der erkrankte Schweinegrippe-Patient wäre nicht mehr in der Lage, den so genannten Mucus aus der Lunge zu transportieren: "Die veränderte Rezeptorvorliebe und Umorientierung auf bewimperte Zellen kennzeichnen einen Krankheitserreger von erhöhter Gefährlichkeit", stellen die Virologen fest, "dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Evolution der Viren genau zu verfolgen". Neue Mutationen im Virusgenom der "Neuen Grippe" bergen also über das Jahr 2011 hinaus neue Gefahren, da sich der Krankheitsverlauf bei vielen Patienten dramatisch verschlechtern könnte. Verbreitet sich solch eine Mutation statt im Hochsicherheitslabor irgendwo auf der Welt, sind wir Menschen bei einer erneuten Pandemie besonders stark gefährdet, schwer oder gar tödlich an der Schweinegrippe zu erkranken.

 

Weiterführende Literatur

Yan Liu & al. (2010): Altered receptor specificity and cell tropism of D222G haemagglutinin mutants from fatal cases of pandemic A (H1N1) 2009 influenza. Journal of Virology; Volume 84, Nummer 22, Seite 12069 bis 12074. Sie können die vorläufige Original-Publikation als Open Access-Artikel kostenlos auf der Homepage von Journal of Virology als pdf-Dokument herunter laden.

 

 

 

Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Birgt Schweinegrippe-Virus H1N1-A-D222G für 2011 neue Gefahren? http://news.suite101.de/article.cfm/birgt-schweinegrippe-virus-h1n1-a-d222g-fuer-2011-neue-gefahren-a92876#ixzz162n0Id00

 

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