Di
29
Dez
2009
WHO wehrt sich gegen Vorwürfe (NZZ)
Im Fall der Schweinegrippe sei man nicht überhastet vorgegangen. Die WHO-Generalsekretärin Margaret Chan hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, wonach ihre Organisation im Fall der Schweinegrippe zu übertrieben vorgegangen sei. Zugleich glaubt sie, dass viele Länder noch nicht genügend auf Pandemien vorbereitet sind.
Gemäss Margaret Chan sind die WHO-Beschlüsse zur Schweinegrippe einstimmig gefällt worden. (Bild: Reuters)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Vorwürfe zurückgewiesen, im Falle der Schweinegrippe zu alarmistisch vorgegangen zu sein. Nach Ansicht von WHO-Direktorin Margaret Chan ist die Welt noch nicht für einen stärkeren Erreger als das Virus H1N1 gewappnet.
Erste Pandemie seit vier Jahrzehnten
«Die WHO hat sich für eine sehr vorsichtige Vorgehensweise entschieden, trotz der Tatsache, dass es sich um die erste Pandemie seit vier
Jahrzehnten gehandelt hat», sagte Chan in einem Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps». Sie hätte nie die Pandemiestufe ausgerufen, wenn sie nicht über solide Argumente verfügt
hätte.
Im Falle der Schweinegrippe-Epidemie sei es klar gewesen, dass sich das Virus dauerhaft in mehr als zwei Kontinenten festgesetzt habe. «Wir sind dann alle zum gleichen Schluss gekommen und haben den Entschluss einstimmig gefasst, am 11. Juni 2009 die Pandemiestufe auszurufen», sagte die WHO-Chefin.
Überlegteres Vorgehen als bei Sars
Bei der Schweinegrippe-Epidemie sei die WHO viel überlegter und sorgfältiger vorgegangen als etwa bei der Sars-Epidemie 2003, obschon das
Ausmass der Ansteckungen massiv grösser gewesen sei. Die Pläne für Alarmierung und Diagnose seien in vielen Ländern nun viel schneller auf die Beine gestellt worden, sagte die chinesische
Medizinerin in der Dienstagsausgabe der Zeitung.
Trotzdem sei man im Kampf gegen solche Pandemien noch nicht ausreichend vorbereitet. Ohne eine genaue Beobachtung von Tierseuchen gehe es nicht mehr, seien doch drei Viertel der neu aufgetauchten menschlichen Krankheiten aus der Tierwelt gekommen.
Noch längere Dauer
Chan geht davon aus, dass die Schweinegrippe wohl erst 2011 besiegt sein werde. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten müsse der Verlauf der
H1N1-Pandemie beobachtet werden, sagte die WHO-Generaldirektorin sagte sie im «Le Temps»-Interview weiter. «Es ist zu früh zu sagen, dass wir weltweit den Höhepunkt der Pandemie überschritten
haben», sagte Chan.
(NZZ)
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