Das Virus verbreite sich in der Schweiz plötzlich sehr schnell. Aus Bern kommt das Eingeständnis, dass man mit der Schweinegrippe-Impfung spät dran ist.
Personen, die zu einer Risikogruppe gehören, sollen im Fall einer Erkrankung zum Arzt gehen, um eine Behandlung mit antiviralen Medikamenten zu ermöglichen: Daniel Koch (BAG).
Man habe von Anfang an gewusst, dass es spät werde, sagte Daniel Koch, Leiter übertragbare Krankheiten beim BAG auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Die Schweinegrippe verbreite sich in der Schweiz plötzlich sehr schnell und es werde Leute geben, für die die Impfung zu spät kommen werde. Für Personen, die zu einer Risikogruppe gehören, empfahl Koch im Fall einer Erkrankung den Gang zum Arzt, um eine Behandlung mit antiviralen Medikamenten zu ermöglichen.
Man bedaure es sehr, dass man mit den Impfstoffen in der Schweiz spät dran sei, sagte Koch. Im Moment sei aber nicht der Moment zu schauen, wo Fehler aufgetreten seien. Dies müsse man nach der Krise tun, sagte Koch.
«Die Lastwagen stehen bereit»
Laut der für den Vertrieb des Novartis-Impfstoffes Focetria zuständigen Logistikfirma Voigt Industrie Service in Romanshorn haben am vergangenen Freitag elf Kantone und das Fürstentum Liechtenstein den Impfstoff erhalten. In drei Kantone werde am Montag und in neun am Dienstag geliefert. Bei drei Kantonen warte man noch auf die Bestellung, auch diese sollten den Impfstoff aber am Dienstag erhalten, wie Medienverantwortliche Denise Läser-Brunner erklärte. Zu den unterschiedlichen Auslieferungsdaten sagte sie, je nach Auftrag der Kantone werde direkt an die Ärzte oder teilweise an einen Ärztehändler geliefert. Letzteres mache gerade in Kantonen mit vielen Ärzten auch Sinn.
Auch der zweite Impfstoff, der von einem anderen Logistik-Unternehmen vertrieben wird, soll laut Koch am Montag und Dienstag ausgeliefert werden. «Die Lastwagen stehen bereit», sagte er.
Swissmedic im Visier
Zu dem Vorgehen in der Schweiz wird Kritik laut. Im Visier ist in erster Linie das für die Zulassung der Impfstoffe zuständige Heilmittelinstitut Swissmedic. Dessen Präsidentin, die frühere Berner FDP-Ständerätin Christine Beerli, wies die Vorwürfe in einem Interview der Zeitung «Sonntag» zurück. Die Swissmedic habe bei der Zulassung mit hoher Qualität und grösstmöglicher Anstrengung gearbeitet, sagte sie. Die Medikamente seien sehr schnell zugelassen worden. Die Sicherheit spiele neben der Geschwindigkeit aber eine grosse Rolle.
Beerli bekräftigte, dass die beiden Impfstoffe Pandremix und Focetria am 23. beziehungsweise am 27. Oktober zugelassen worden seien und fügte hinzu: «Die Logistik ist nicht unsere Sache.» Die Abpackung und Verteilung des Impfstoffs fielen nicht mehr in die Zuständigkeit der Swissmedic. Zum Vorwurf von Ärzten und Mitgliedern der Impfkommission, die Swissmedic hätte die europäischen Bewilligungen übernehmen müssen, sagte die Präsidentin der Zulassungsbehörde, es gebe aus rechtlichen Gründen keinen Austausch von Daten wissenschaftlicher Studien. Die Swissmedic strebe schon seit längerer Zeit eine Vereinbarung mit der EU an, die einen solchen Austausch erlauben würde.
