Do
05
Nov
2009
Schweinegrippe nicht mehr aufzuhalten (Radio DRS)
Die Schweinegrippewelle breitet sich jetzt auch in der Schweiz unaufhaltsam aus. Die Zahl der bestätigten Fälle hat sich laut BAG innert einer Woche verdreifacht und die Zeit fürs Impfen wird knapp.
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Die pandemische Welle ist definitiv in der Nordhemisphäre angekommen, wie Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor den Medien erklärt hat. In Irland sei eine explosionsartige Ausbreitung zu beobachten, die bereits ein Vielfaches der Grippepeaks der Vorjahre erreicht habe.
In der Schweiz hat sich die Zahl der im Labor bestätigten Fälle von 112 auf 295 innert einer Woche fast verdreifacht. Zudem seien vermehrt Häufungen etwa in Schulen oder Kasernen zu beobachten, sagte Mathys.
Bisher 38 Grippekranke hospitalisiert
Insgesamt sechs Menschen mussten in der vergangenen Woche wegen Schweinegrippe hospitalisiert werden, fünf weitere Fälle waren laut
Mathys in der laufenden Woche bekannt. Seit Beginn der Pandemie mussten damit insgesamt 38 Menschen in Spitalpflege gebracht werden.
Sieben Menschen benötigten Intensivpflege, einer davon konnte diese inzwischen wieder verlassen. Bei den schwer Erkrankten handelt es sich laut Mathys bisher ausschliesslich um Erwachsene bis etwa 50 oder 60 Jahre. Nicht alle von ihnen gehörten einer Risikogruppe an.
Impfung könnte zu spät kommen
Als eigentliche «Grippe-Hotspots» bezeichnete Mathys das Tessin und den Kanton Genf. Er rechnet aber im ganzen Land mit zunehmenden Fallzahlen.
Wie schnell dies geschehe und wann der Peak erreicht sei, könne man nicht voraussagen. Generell dauerten Grippewellen rund acht bis zwölf Wochen.
«Wir hoffen, dass wir Risikogruppen oder weite Teile dieser Risikogruppen noch rechtzeitig impfen können», fügte Mathys an. Die Impfungen sollen ab Mitte Monat anlaufen, wobei die ersten zwei Wochen prioritär Risikopersonen geimpft werden. Bis der optimale Impfschutz aufgebaut ist, vergehen rund zwei Wochen.
Vorerst keine weiteren Massnahmen
Weitere Massnahmen wie das Verbot von Grossveranstaltungen oder Ähnliches zieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Zeit nicht in
Betracht.
Virginie Masserey von der Sektion Impfung verwies auf den für die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor eher milden Verlauf der Schweinegrippe und die geringe Effizienz von solchen Massnahmen. «Egal, was Sie machen, sie werden die Welle jetzt nicht mehr aufhalten», fügte Mathys an.
Weitere Fälle hinzugekommen
Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass auch auf dem Waffenplatz Thun ein Rekrut erkrankt ist. Die H1N1-Tests seiner 15 Zimmerkollegen verliefen
hingegen negativ, wie die Armee am Donnerstag zu einem Bericht der «Neuen Luzerner Zeitung» bestätigte.
Auf dem Waffenplatz Chur liegen seit einigen Tagen, wie berichtet, 66 Rekruten mit Grippesymptomen auf der Krankenstation, weitere neun waren zuhause. Nach sechs positiven H1N1-Tests gehen die Experten davon aus, dass ein Grossteil dieser Rekruten an der Schweinegrippe erkrankt sein dürfte.
Auch bei einem Häftling im Genfer Gefängnis Champ-Dollon wurde das Schweinegrippevirus bestätigt. Er wurde isoliert. Der Erkrankte war am vergangenen 22. Oktober in die Anstalt eingetreten, wie die Genfer Behörden mitteilten.
Im Kanton Baselland wird wegen der Schweinegrippe in einigen Schulklassen vorübergehend der Unterricht eingestellt. Betroffen seien drei Sekundarschulklassen in Allschwil, in denen insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler erkrankt seien, teilte der Kantonale Krisenstab mit.
