Di
03
Nov
2009
Schweinegrippe breitet sich rasant aus
In vielen Ländern steigt die Zahl der Schweinegrippe-Kranken täglich an: Alleine Deutschland rechnet mit Tausenden Erkrankungen. Und in der Schweiz hat sich binnen einer Woche die Zahl der Neuansteckungen verdoppelt.
Angst vor der Schweinegrippe: Eine Frau mit Mundschutz betet auf einem Friedhof im ukrainischen Ternopil.
Die Bilder aus der Ukraine rücken einem erneut ins Bewusstsein, dass die Schweinegrippe in Europa noch nicht ausgestanden ist: Zwar wurde laut der russischen Agentur «Ria Nowosti» erst bei 22 der mehr als 255'000 Grippe-Erkrankungen das H1N1-Virus nachgewiesen, dennoch tragen viele Leute auf der Strasse Schutzmasken, Schulen und Kinos wurden geschlossen, Konzerte abgesagt.
In der Schweiz ist man von einem solchen Szenario noch weit entfernt: Bislang sind hierzulande 1440 bestätigte Fälle von Schweinegrippe aufgetreten. Nachdem das Bundesamt für Gesundheit im Juli und August Spitzenwerte verzeichnete, steckten sich danach während einiger Wochen weniger Personen an. In der vorletzten Woche gab es allerdings wieder doppelt so viele Neuansteckungen wie in der Vorwoche. Ob dieser Trend anhält, kann das Bundesamt zurzeit nicht sagen. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz verweist Sprecherin Katrin Holenstein auf Mitte Woche: Die aktuellsten Daten zur Grippe-Aktivität stünden in der Schweiz am Donnerstag Morgen zur Verfügung.
In 17 von 27 Ländern erhöhte Virusaktivität
Es scheint allerdings nur eine Frage der Zeit, bis auch die Schweiz von der Grippewelle überrollt wird, denn das Virus breitet sich in grossen Teilen Europas rasant aus: Die Europäische Seuchenkontrollbehörde teilt mit, dass in 17 von 27 EU-Ländern die Aktivität des Virus zunimmt. Bisher sind europaweit 317 Personen an der Grippe gestorben - die meisten in Grossbritannien, Frankreich und Spanien; die Schweiz hat noch keine Todesfälle zu beklagen.
Vor allem in den Nachbarländern der Schweiz ist die Schweinegrippe auf dem Vormarsch. In Deutschland wird befürchtet, dass es weitere Tote geben wird. Das Robert-Koch-Institut glaubt, dass «die Welle, die wir für den Herbst erwartet haben, begonnen hat». In nur einer Woche hat sich die Zahl der Infizierten auf fast 30'000 Personen verdoppelt. Institutspräsident Jörg Hacker wertete es zudem als Warnsignal, dass in Deutschland eine gesunde vierfache Mutter an der Grippe gestorben sei. Die meisten Neuinfizierten in Deutschland gibt es in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.
30 Prozent der Bevölkerung könnten betroffen sein
Auch in Österreich breitet sich das Virus aus: Das Gesundheitsministerium schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Bevölkerung im Laufe einiger Wochen von einer Pandemie betroffen sein könnten. Letzte Woche erkrankten bereits zehn Personen neu an der Grippe, zuvor waren es nur zwei. Dies dürfte den bislang mit Zurückhaltung aufgenommenen Impfaktionen in Deutschland und Österreich Aufwind geben.
