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23

Okt

2009

Das Warten auf die Epidemie

Nach den Herbstferien spricht in den Schulen kein Mensch mehr von der Schweinegrippe. Es gebe keinen Grund zu Aktivismus, sagen die zuständigen Ämter. Man sei aber bestens vorbereitet.

Rechtzeitiger Schutz

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Kopfschütteln hat am letzten Montag bei den aus den Ferien zurückgekehrten Kantonsräten eine bläulich schimmernde Säule ausgelöst, die unmittelbar hinter der Tür zum Rathaus stand. «Hände desinfizieren!», befahlen die beamteten Mienen dahinter. Manch einer gehorchte, andere nutzten die ganze Skala mundartlicher Missfallenskundgebungen und marschierten vorbei. In vielen Schulen hingegen kam die Schweinegrippe - anders als nach den Sommerferien - als Thema gar nicht mehr vor. Das sei durchaus so gewollt, sagt Daniel Frey, Direktor der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich. Im Augenblick gebe es keinen Anlass, zusätzliche Massnahmen zu treffen. Deshalb vermeide man unnötigen Aktivismus.

 

Auch der kantonale Schularzt Felix Dinkelmann stellt die Diagnose: Nichts Neues! Noch kurz vor den Ferien habe man die Schulen darauf hingewiesen, dass die seit September geltenden Weisungen immer noch Gültigkeit hätten. Sie betreffen in erster Linie die Hygienevorschriften und das Fernbleiben von der Schule bei Krankheitssymptomen. Weitere Massnahmen erübrigten sich, da der Kanton Zürich sehr gut organisiert sei und sofort Massnahmen starten könnte, falls etwas ändere. Wichtigstes Thema am Treffen der kantonalen Führungsorgane sei diese Woche das Impfen gewesen. Da müsse man aber die Beschlüsse auf Bundesebene abwarten, die in einer Woche gefasst werden sollen. Generell komme man von Massenimpfungen ab; zuerst kämen das Gesundheitspersonal und Risikogruppen wie Schwangere an die Reihe.

 

Gewehr bei Fuss
Das Schweinegrippe-Virus H1N1 habe sich in der Schweiz weiter ausgebreitet, aber weniger stark als in anderen europäischen Ländern, so Dinkelmann. Zu einer eigentlichen Welle sei es noch nicht gekommen. Diese komme aber bestimmt, wenn auch der Zeitpunkt nicht vorhersehbar sei. Bis es so weit sei, stehe man Gewehr bei Fuss, sagt auch Frey. Dann werde die Öffentlichkeit anders reagieren. Dass sich dieses Jahr deutlich weniger Lehrpersonen gegen die normale saisonale Grippe impfen liessen als in früheren Jahren, wertet er als Indiz für eine gewisse Übermüdung durch die lange, aber bisher harmlose Präsenz des Themas. Ein paar ernste Fälle dürften das ändern. Allerdings sei nicht die Schwere der Fälle das Hauptproblem, sondern die Gefahr, dass 25 Prozent der Bevölkerung bettlägerig sein könnten - mit den entsprechenden Folgen für die Gesellschaft.

(NZZ)

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