Fr
16
Okt
2009
Die Pandemie kommt – aber wann?
Die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Patienten hat sich seit Ende August auf tiefem Niveau eingependelt. Doch dahinter schlummert ein grosse Dunkelziffer: Kranke, die nur als «normale» Grippepatienten registriert werde.
Vom Schutzmasken-Gebrauch sind wir weit entfernt: Im Ernstfall können sie allerdings die Gefahr einer Ansteckung minimieren. Bild: Keystone/Peter Schneider
Symptome der Schweinegrippe
Die Symptome der Schweinegrippe ähneln der einer ganz normalen Grippe: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Husten. Einige Patienten berichteten auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ohne Laboruntersuchung gibt es keine Gewissheit.
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch ist sehr kurz, manchmal erkranken Infizierte schon binnen Stunden, die meisten spätestens innerhalb von drei Tagen. In dieser Zeit sind die Patienten schon ansteckend, da die Virenausscheidung über die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums beginnt. Diese Ausscheidung dauert in der Regel bis zu sieben Tage, bei geschwächten Menschen auch länger.
Verhaltensregeln für den Ernstfall
Nur 28 neue Schweinegrippe-Fälle hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der vergangenen Woche registriert. Trotzdem hatten die Hausärzte alle Hände voll zu tun mit Grippepatienten: Pro 1000
Konsultationen betrafen 5 Grippeverdachtsfälle.
Der aussergewöhnlich grippeintensive Herbst habe mit der Schweinegrippe zu tun, sagte BAG-Sprecher Jean-Louis Zurcher am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Wir denken, dass fast alle Grippepatienten, die Hausärzte aufsuchen, Schweinegrippe haben», hielt Zurcher fest. Es mache aber keinen Sinn, alle diese Fälle zu testen.
Alle Patienten mit Grippesymptomen auf die Schweinegrippe zu testen, wäre viel zu teuer. Die Strategie des BAG laute, die Ausbrüche zu bekämpfen.
1290 Schweinegrippe-Patienten
Die Gesamtzahl aller in der Schweiz gemeldeten Schweinegrippe- Patienten erhöhte sich in der Kalenderwoche 41 auf 1290, schrieb das BAG auf seiner Internetseite. Für die gleiche Zeit errechnete das BAG pro 100 000 Arztkonsultationen 29 Grippepatienten. Wer davon Schweinegrippe hat und wer an einer herkömmlichen Grippe leidet, geht aus den Angaben nicht hervor.
Die verschiedenen Grippeerkrankungen lassen sich also nicht mehr mit Sicherheit statistisch trennen. Das BAG erfasst die Grippen allerdings mit zwei verschiedenen Meldesystemen. Die Sentinel- Überwachung liefert auf Basis freiwilliger Ärzte-Meldungen die allgemeinen Grippeverdachtsfälle.
«Die Pandemie wird kommen»
Parallel dazu sammelt das BAG sämtliche bestätige Schweinegrippefälle. Die Ärzte und Laboratorien seien immer noch verpflichtet, positiv getestete Schweinegrippe-Patienten zu melden. Denn das BAG ist sich sicher: «Die Schweinegrippe-Pandemie wird kommen», so BAG-Sprecher Zurcher.
Wann die Pandemie ausbrechen wird, konnte er nicht sagen. Die Erfahrung zeige, dass sich solche Viren vor allem im Winter verbreiteten. Der Kälteeinbruch in der Schweiz könnte den H1N1-Viren ebenfalls zum Durchbruch verhelfen: «Viren mögen die Kälte», hielt der BAG-Sprecher fest. Zudem hielten sich die Menschen im Winter eher gemeinsam in Räumen auf.
Die vom BAG propagierten Vorsichts-Massnahmen wie Händewaschen bleiben also aktuell. Alleine mit solchen Vorbeugungen könne die Schweinegrippe-Pandemie nicht verhindert werden, sagte Zurcher. Ab Anfang November könne mit der Schweinegrippe-Impfung begonnen werden. Bis dann sollte die Bewilligung der Arzneimittelbehörde Swissmedic eingetroffen sein.
(20Min)
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