Di
13
Okt
2009
Die Schweinegrippe lebt
Lange war es ruhig um die pandemische Grippe (H1N1). Der Regierungsrat beugt jedoch vor und bietet ab November eine freiwillige und kostenlose Impfung an.
Im November startet eine gross angelegte Impfaktion gegen den H1N1-Virus. Quelle: key
«Eine Grippewelle ist unvermeidbar», hält Dominik Schorr fest. Nur das Ausmass sei unklar. «Für die meisten Menschen ist die Pandemie ungefährlich, aber für gewisse wird sie lebensbedrohlich sein», führt der Baselbieter Kantonsarzt aus. Er begrüsst deshalb den gestrigen Entscheid des Regierungsrates, nächsten Monat im ganzen Kanton eine Impfaktion gegen das Schweinegrippe-Virus durchzuführen.
Die Kosten der Aktion belaufen sich auf 1,7 Millionen Franken, wobei der Kanton 340 000 Franken zahlt, während der Rest von Bund und Krankenkassen übernommen wird. «Es ist die Pflicht des Staates, der Bevölkerung den Impfservice gratis anzubieten», ist für Schorr denn auch klar.
Der Zeitpunkt der Aktion kommt nicht von ungefähr, da demnächst der lang erwartete Impfstoff vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) an die Kantone geliefert werden kann. So ist auch unbestritten, dass sämtliche Kantone den Service anbieten werden. Allerdings sind sie in der genauen Umsetzung frei.
Baselland setzt auf einen Mix zwischen Verabreichung beim Hausarzt, an den Schulen sowie in sechs extra eingerichteten Impfzentren. Diese werden in den Gemeinden Laufen, Liestal, Muttenz, Therwil, Reinach und Sissach zu stehen kommen. «Wir haben den Kanton in geeignete Einzugsgebiete aufgeteilt, um eine möglichst hohe Abdeckung zu erreichen», erklärt Marcus Müller, Leiter des Amts für Militär und Bevölkerungsschutz.
Wo genau die Gemeinden die Zentren einrichten, wird der Kantonale Krisenstab voraussichtlich Ende Oktober per Flyer mitteilen. Die Impfzentren werden dabei lediglich zweimal drei Tage lang geöffnet sein, wie Müller gegenüber der bz präzisiert: «Wir achten darauf. dass die beiden Impffenster genügend weit auseinander liegen und auch einen Samstag beinhalten, um Berufstätige zu berücksichtigen.»
Die Anzahl der Zentren wurde aufgrund von Empfehlungen des BAG gewählt. «Je nach Andrang müssen und können wir unsere Planung aber überdenken», führt Kantonsarzt Schorr aus.
Diese Flexibilität in der Planung ist auch nötig, da die Aktion zwar für die Bevölkerung kostenlos, aber auch absolut freiwillig ist. «Das macht es natürlich nicht gerade einfach, die benötigte Infrastruktur abzuschätzen», so Müller. Am von Novartis und Glaxo Smith Kline hergestellten Impfstoff wird es derweil nicht mangeln.
«Wir werden von Anfang an genug zur Verfügung haben», ist Schorr überzeugt. Dennoch ist geplant, sogenannte Risikopersonen, beispielsweise Schwangere und Personen mit chronischen Herz- und Lungenkrankheiten, sowie Gesundheitspersonal prioritär zu behandeln. Ausserdem legt Baselland mit der Direktimpfung an den Schulen einen weiteren Fokus auf Schüler und Lehrpersonen.
«Es ist jedoch klar, dass die Impfung gegen die Schweinegrippe lückenhaft sein wird - alles andere wäre unrealistisch», zeigt sich Müller skeptisch. Und Schorr denkt, dass erst neue, gravierende Fälle die Bevölkerung aufschrecken werden, mit denen «leider absolut zu rechnen ist».
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