Mo
12
Okt
2009
Nur eine Impfung gegen Schweinegrippe nötig
Empfehlung der WHO - Schweiz hat bereits doppelte Menge eingekauft.
Anders als vor drei Wochen die europäische Gesundheitsbehörde EMEA hält jetzt die WHO eine einzige Impfung für ausreichend zum Schutz vor Schweinegrippe. Nun hat aber die Schweiz bereits 13 Millionen Dosen eingekauft. Wer die Kosten für die überschüssigen Medikamente tragen muss, ist noch unklar.
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) reicht im Kampf gegen die Schweinegrippe eine Impfdosis pro Person aus. Alle Daten deuteten darauf hin, dass eine Impfung genüge, sagte die Leiterin der WHO-Impfforschung, Marie-Paule Kieny, am Montag in Genf.
Was tun mit den überschüssigen Impfdosen?
Die europäische Gesundheitsbehörde EMEA empfahl zuletzt, zunächst jeder Person zwei Mal im Abstand von drei Wochen eine Dosis zu verabreichen. Die Schweiz kaufte deshalb bei Novartis und Glaxo
Smith Kline insgesamt 13 Millionen Dosen Impfstoff gegen die Grippe A(H1N1).
Die Kosten in Höhe von rund 84 Millionen Franken übernimmt der Bund. Ob die Schweiz überzählige Impfdosen allenfalls an die Hersteller zurückgeben kann und wer die Kosten dafür tragen müsste, ist unklar. Die Vertragsbedingungen unterstünden der Geheimhaltungspflicht, sagte Jean-Louis Zurcher, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG), auf Anfrage. Das BAG werde zuerst den Zulassungsentscheid und die Empfehlungen des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic abwarten.
Swissmedic-Sprecher Joachim Gross sagte, der Entscheid werde frühestens am 20. Oktober fallen. Ob sein Institut ein oder zwei Impfungen empfehlen werde, sei noch offen. Die Empfehlung der WHO gehe aber in die richtige Richtung.
China, USA und Australien impfen bereits
Bisher sind weltweit 4500 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. China hat als erstes Land weltweit Ende September mit einer breit angelegten Impfaktion gegen den H1N1-Virus begonnen.
Australien und die USA folgten. In der EU sollen die Impfungen in gut zwei Wochen beginnen, in der Schweiz Anfang November.
Markt in der EU leer gekauft
Die Gesundheitsminister der EU-Länder beauftragten am Montag in Luxemburg die EU-Kommission mit der Ausarbeitung einer gemeinsamen Beschaffung der benötigten Impfstoffe.
Die Behörde soll für die ärmeren EU-Mitglieder den Einkauf bei den Pharmakonzernen oder bei ausreichend versorgten Mitgliedstaaten koordinieren.
Hintergrund ist, dass nach dem Ausbruch der Schweinegrippe- Pandemie zunächst zwölf und jetzt noch fünf EU-Länder Schwierigkeiten hatten, Kaufoptionen für die neuen Impfstoffe abzuschliessen. Offenbar hatten «zwei grosse EU-Staaten» relativ schnell den Markt leer gekauft, wie es in EU-Kreisen hiess.
(NZZ)
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