Do
08
Okt
2009
Schweinegrippe-Patienten werden heimgeschickt
In den Spitälern werden Patienten mit Symptomen der Schweinegrippe abgewiesen - aus Sicherheitsgründen. Die Zahl der Fälle im Berner Oberland ist deshalb unbekannt. Eine Umfrage bei Apotheken und Spitälern.
Die Schweinegrippe, vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) «pandemische Grippe» genannt, breitet sich im Stillen aus. Im Berner Oberland ist es bislang nicht zu breitflächigen Ansteckungen gekommen. Doch so genau weiss das niemand, weil es keine zuverlässigen Erhebungsmöglichkeiten gibt. Das hat zwei Gründe: Erstens kann die Schweinegrippe in ihrem Verlauf kaum von einer normalen Grippe unterschieden werden. Und zweitens kann der Grossteil der Erkrankten sie problemlos zu Hause auskurieren. Die Erkrankten gehen den Ärzten und Spitälern durch die Lappen und werden so auch in keiner Statistik aufgeführt. Gerade deshalb hat das «Thuner Tagblatt» bei Apotheken, Spitälern und Gemeindebehörden nachgefragt. Vielerorts gab oder gibt es Fälle, so das Fazit. Und an den meisten Orten wurden auch Vorkehrungen getroffen.
Ein Gradmesser sind die Apotheker. Alle Befragten - darunter aus Thun, Spiez und Interlaken - gaben an, dass es zurzeit nicht aussergewöhnlich viele Anfragen gebe. Anders noch vor einigen Wochen, als der H1N1-Virus fast täglich Schlagzeilen machte. «Wir spürten, dass es die Leute beschäftigte. Sie stellten Fragen, viele kauften Masken und Hygienemittel ein», erinnert sich Regula Stähli von der Bälliz Apotheke in Thun. Die Apotheker rechnen mit einem Anstieg der Grippefälle in den kommenden Wochen. Dann sinken die Temperaturen und das Immunsystem der Menschen wird schwächer.
«Bleiben Sie zuhause»
Anlaufstelle für viele Kranke sind die Spitäler. Doch dort werden nur extreme Grippefälle behandelt. Im Spital Thun wird nur noch in Ausnahmefällen untersucht, ob jemand Schweinegrippe hat. «Wenn uns jemand mit Grippesymptomen kontaktiert, raten wir in der Regel, dass er oder sie zu Hause bleiben soll», sagt Ulrich Stoller, Chefarzt Innere Medizin im Spital Thun. «So sparen wir Aufwand und verhindern, dass die Person im Spital oder auf dem Weg dorthin andere ansteckt.» Vor einigen Wochen habe man die Fälle noch gezählt und dem Kantonsarzt mitgeteilt. Stoller weiss die genaue Zahl nicht. «Es waren aber weniger als ein Dutzend.» Auch im Spital Interlaken werden Patienten mit Grippeerscheinungen meistens nach Hause geschickt. Laut Chefarzt Heinz Schaad gibt es keine aktuellen Fälle. «Im ganzen Sommer hatten wir zehn Personen mit Schweinegrippe, alles leichte Erkrankungen.»
Hygiene und Notfallplan
Am Puls ihrer Einwohner sind auch die Behörden. Doch nur Philipp Goetschi, Gemeindeschreiber von Interlaken, ist ein Schweinegrippefall bekannt. «Jemand steckte sich in den Sommerferien in Spanien an. Doch der Person geht es wieder gut.» Nachfragen in Thun, Spiez und Saanen fördern keine weitere Daten zu Tage. Viele Gemeinden sorgen vor: Öffentliche Gebäude werden besser geputzt, Seifen- und Serviettenspender installiert, und grössere Ortschaften wie Thun haben sogar einen Notfallplan in der Schublade.
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